Die Perle der Wetterau - die nicht LILA war …

… die Geschichte der Molkerei Genossenschaft Ostheim - Nieder Weisel

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… am Anfang war Dampf …

1. Die Dampfmaschine

Als das britische Patentamt am 5. Januar 1769 das Patent 913 dem schottischen Erfinder James Watt auf seinen Namen eintrug, konnte noch keiner ahnen, dass dieses Patent einmal zu den bedeutendsten Erfindungen der Technikgeschichte gehören wird.

Die im Patent beschriebene Dampfmaschine war erstmals einsatzfähig im Jahre  1776. 

Die mit Feuer und Dampf entfachte Maschinenkraft verändert die Welt und die Dampfmaschine wird zum Motor einer neuen Zeit.

Diese Epoche der industriellen Revolution verwandelt das Aussehen der Welt.

Mit dem beständigen Takt der Dampfmaschine kann die menschliche Muskelkraft nicht konkurrieren.

Zunächst verloren die Menschen Ihre Arbeit und bittere Armut griff um sich und die Wut über die neuen Entwicklungen nahm zu.

Die Angst der Menschen vor der Zukunft wuchs beständig.


Dennoch dauerte es noch bis zum Jahre 1804, bis eine auf Rädern und Schienen fahrende Dampfmaschine fuhr.

Nach und nach kommt es  zu weltweiten Veränderungen im Arbeitsleben und Transportwesen .

Die erste Eisenbahn in Deutschland verkehrte am 7. September 1835 zwischen Nürnberg nach Fürth.1

2. Die Main-Weser-Eisenbahn

Am 6. Februar 1845 konnten mit einem Staatsvertrag zwischen der Freien Stadt Frankfurt, dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt und dem Kurfürstentum Hessen-Kassel die Voraussetzungen für den Bau der Main-Weser-Bahn geschaffen werden.2

Der Bau begann 1847 und gestaltete sich nicht einfach. Bedingt durch die Kleinstaaterei gab es drei Bauleitungen, jede zuständig für ihr Gebiet.3 

In Giessen wurde die Oberbaudirektion für das Grossherzogtum Hessen-Darmstadt eingerichtet. Sie war zuständig für die vier Sektionen: 

Giessen, Butzbach, Friedberg, Vilbel

In die Bauzeit fielen zudem die Wirren der bürgerlichen Revolution von 1848 und eine Finanzkrise des Großherzogtums Hessen-Darmstadt.

Die Aristokratie nahm  lange Jahrhunderte die wenig rühmliche Rolle der Unterdrückung wahr. 

Besonders in der Endphase des Feudalismus versuchte der Adel mit grausamer Gewalt seine Privilegien zu erhalten. 

Im sog. Vormärz, der Zeit vor der Revolution von 1848 war das Aufbegehren weiter Bevölkerungskreise von der Obrigkeit kaum mehr in den Griff zu kriegen.

Einer der führenden politischen Aktivisten des Vormärz war der in Oberkleen geborene  Ludwig Weidig.  

Er wirkte in Butzbach vornehmlich als Lehrer und verfasste mit Georg Büchner die revolutionäre Schrift „Der Hessische Landbote“. 


Zwischen 1845 und 1855 löste eine anhaltende Wirtschaftskrise die größte Massenemigration des 19. Jahrhunderts nach Übersee aus. 

Zu der wirtschaftlich motivierten Auswanderung kam um 1848 auch eine politische, die ihren Höhepunkt nach der gescheiterten Märzrevolution fand. 

Einen Anreiz zur Auswanderung bildeten zudem die Nachrichten von Goldfunden in Kalifornien.

Sie lösten regelrecht einen Goldrausch aus. 

Von Bremerhaven ging die Reise über den Atlantik nach Amerika. Diejenigen die die Überfahrt überlebten, und ihre Passage nicht bezahlen konnten, wurden wie weisse Sklaven auf dem Markt angeboten.

Tausende von Deutschen wanderten auch in die australischen Kolonien aus.


Anfang März 1850 wurde der Betrieb der Main-Weser-Bahn zwischen Frankfurt und Friedberg aufgenommen.4

Aus dem aufständischen Gebiet um Baden zurückkehrende preussische Soldaten überquerten als erste Passagiere in Friedberg die Usa über die 24 Hallen.

„ Die Feuerprobe“ des bedeutendsten Bauwerkes der Main-Weser Bahn fand am 26. November 1850 statt.

Die Fahrt führte bis zum vorläufigen Gleisende nach Ostheim. 5

Von dort führte ein Fussmarsch die Truppen in die Chevaulegers Kaserne, dem heutigen Butzbacher Landgrafenschloss .

Ein durchgehender Zug von Frankfurt nach Kassel fuhr dann erstmals am 15. Mai 1852.

Die von Anfang an zweigleisig geplante Strecke wurde wegen des zunehmenden Verkehrs zwischen 1863 und 1865 weiter ausgebaut und vollendet. 6


Der um 1862 nach Australien, Nord- und Südamerika weit gereiste  Jakob Fett kehrte 1872 in seine Heimat nach Ostheim zurück und betrieb dann auf der Ostseite der Main-Weser-Bahn eine von ihm erbaute Gaststätte.7

Um 1880 entstanden in Ostheim und Nieder-Weisel viele Neubauten in Richtung der Main-Weser-Bahn.8

Unter anderem wurde auch das „Gasthaus Zur Haltestelle“ von Peter Schneider dem IV. errichtet.

Besondere Verdienste hat sich der Ostheimer Bürgermeister Schneider bei der Errichtung des Bahnhofes erworben.9

Der Haltepunkt „Ostheim bei Butzbach“ wurde am 1. Okt. 1887 eingerichtet. 10

Nach Errichtung des Haltepunktes, wurde eine kleine, von einem Herrn Haub aus Nieder-Weisel privat betriebene Milchwirtschaft in das Anwesen der Gaststätte Fett verlegt.11

1894 verkaufte Jakob Fett die Gaststätte an den Frankfurter Kaufmann Bergner. 

Bergner richtete dort mit einfachen Mitteln eine Dampfmolkerei ein.

Mit dem Verkaufserlös der Gaststätte an der Main-Weser-Bahn, konnte Jakob Fett an die zuvor bereits erworbene Gaststätte gegenüber dem Ostheimer Rathaus einen Saal anfügen.12

1 D.Wolf, Butzbacher Geschichtsblätter, Main-Weser-Bahn, Teil I, Nr.116-7.August 1996, Band Nr. 101-150 vom 27.Februar 1995 - 17.Mai 2000, Seite 65,  Hrsg. Geschichtsverein für Butzbach und Umgebung, Druck und Verlag Butzbacher Zeitung, 2001.

2 D.Wolf, Butzbacher Geschichtsblätter, Main-Weser-Bahn, Teil I, Nr.116-7.August 1996, Band Nr. 101-150 vom 27.Februar 1995 - 17.Mai 2000, Seite 65,  Hrsg. Geschichtsverein für Butzbach und Umgebung, Druck und Verlag Butzbacher Zeitung, 2001.

3 D.Wolf, Butzbacher Geschichtsblätter, Main-Weser-Bahn, Teil I, Nr.116-7.August 1996, Band Nr. 101-150 vom 27.Februar 1995 - 17.Mai 2000, Seite 66,  Hrsg. Geschichtsverein für Butzbach und Umgebung, Druck und Verlag Butzbacher Zeitung, 2001.

4 D.Wolf, Butzbacher Geschichtsblätter, Main-Weser-Bahn, Teil II, Nr.116-7.August 1996, Band Nr. 101-150 vom 27.Februar 1995 - 17.Mai 2000, Seite 69,  Hrsg. Geschichtsverein für Butzbach und Umgebung, Druck und Verlag Butzbacher Zeitung, 2001.

5 D.Wolf, Butzbacher Geschichtsblätter, Main-Weser-Bahn, Teil II, Nr.116-7.August 1996, Band Nr. 101-150 vom 27.Februar 1995 - 17.Mai 2000, Seite 70,  Hrsg. Geschichtsverein für Butzbach und Umgebung, Druck und Verlag Butzbacher Zeitung, 2001.

6 D.Wolf, Butzbacher Geschichtsblätter, Main-Weser-Bahn, Teil III, Nr.117-3.September1996, Band Nr. 101-150 vom 27.Februar 1995 - 17.Mai 2000, Seite 73,  Hrsg. Geschichtsverein für Butzbach und Umgebung, Druck und Verlag Butzbacher Zeitung.


7 T. Müller, Ostheimer Chronik, 300 Jahre Rathaus 1697-1997, 125 Jahre in Familienbesitz, Die Gastwirtschaft Jakob Fett, S.21-22, Hrsg. Kelterei Müller KG, Butzbach-Ostheim, 1997.

9 K.W. Rosenow/D.Wolf, Ostheimer Chronik, 300 Jahre Rathaus 1697-1997, 125 Jahre in Familienbesitz, Chronik von Ostheim bei Butzbach, S.160, Hrsg. Kelterei Müller KG, Butzbach-Ostheim, 1997.

10 D. Graulich, Chronik Gasthaus zur Haltestelle, http://www.zur-haltestelle.de/chronik.html.

11 Jakob Schneider, Erinnerungen an Herrn Jakob Schneider VII, 1838-1914, S.6-7, 1952, Druckerei und Verlag Gratzfeld Butzbach

12 T. Müller, Ostheimer Chronik, 300 Jahre Rathaus 1697-1997, 125 Jahre in Familienbesitz, Die Gastwirtschaft Jakob Fett, S.22, Hrsg. Kelterei Müller KG, Butzbach-Ostheim, 1997.

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